Low-Tech

Welche Technik wollen wir?

…ist eine Frage, die sich lohnt gestellt zu werden. Und ja, wir dürfen sie stellen!
Das kann mensch nämlich schnell vergessen. Wenn viele, schnell in eine Richtung rennen, wird das leicht zur Wahrheit und lässt Denkhorizonte entsprechend schwinden. Es lohnt sich aber die angebotenen Lösungen und die darunterliegenden Ideale zu hinterfragen.

Ich meine, dass wir in einer sehr dankbaren Zeit für dieses Hinterfragen und Neudefinieren von Technik leben. Denn das Angebot an verfügbaren Technologien und Produkten ist unüberschaubar groß. Und deren Anwendungen tragen, harmlos formuliert, nicht selten absurde Züge.

Lasst uns also inne halten in Sachen Technik. Wollen wir weiter kritiklos dem „Fortschritt“ folgen? Es wird Zeit hier mehr Bewusstheit, Mut und Kreativität zu zeigen. Im Bereich der Lebensmittel klappt es vergleichsweise gut (wenn auch noch lange nicht gut genug).

Wir können uns für ein „gutes Leben“ aus dem, was an Neuem und Alten, an High- und Low-Tech da ist, bedienen und nachhaltige, zukunftsfähige Lösungen entwickeln. Dabei können wir ruhig dem scheinbar Langsamen und Unspektakulären Raum geben und auf seine Aktualität und Kraft vertrauen.

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Ich suche hier also nach zukunftsfähiger Technik für ein gutes Leben. Nach meiner Überzeugung sollte Technik idealerweise mit überschaubaren Mitteln herstell- bzw. reparierbar sein, um Autonomie und Souveränität zu ermöglichen, einseitige Abhängigkeiten zu vermeiden und lange Lebensdauern zu erreichen. Sie sollte in der Herstellung gute Arbeit ermöglichen und generell dringenden Bedürfnissen entsprechen, sparsam mit Energie und Ressourcen umgehen, lokal anpassbar sein und idealerweise von den Anwender*innen mitentwickelt worden sein. Kurz, sie sollte konvivial, also lebensfreundlich sein.

In  nachfolgender Tabelle versuchte ich die Eigenschaften konvivialer Technik in verschiedene Ebenen zu sortieren. Es ergaben sich die drei Dimensionen „idealistisch“, „praktisch“ und „technisch“. Die Eigenschaften in den drei Ebenen entsprechen sich dabei wechselseitig. Sie sind, mehr oder weniger, Ausdruck ein und desselben Technikansatzes.

Im konvivialen Technikverständnis spielt Low-Tech eine entscheidende Rolle, wie die technische und praktische Dimension konvivialer Technik besonders gut verdeutlicht. Sie stellen gleichzeitig die Eigenschaften von Low-Tech dar.

Eigenschaften von Low-Tech

  • menschliches Maß in Bezug auf Größe, Komplexität und Kosten
  • funktional, minimalistisch: auf die Kernfunktion reduziert
  • robust und langlebig (Ausnahme: Recyclingmaterialien)
  • einfach aufgebaut in Bezug auf Kenntnisse, Werkzeuge, Materialien
  • nachbaubar, übersichtlicher Aufbau
  • dokumentierbar für Open Source Baupläne
  • fertigungsgerecht: z.B. wenige, standardisierte Ausgangsmaterialien
  • reparierbar, demontier- und recyclebar
  • umbau- und anpassbar: veränderte Nutzungszwecke

Diese Prämissen bedingen sich, wie gesagt, gegenseitig. Sie führen zu einem modularen Aufbau der Objekte. Dieser modulare, übersichtliche und simple Aufbau erleichtert Selbstbau, Reparatur und Recycling. Er ermöglicht auch den Austausch defekter, irreparabler Komponenten.

Das Verständnis der Wirkungsweise ist für die Anwendung bei Low-Tech in einem höheren Maße notwendig, als bei „moderner Sorglos-Komfort-Technik“.

Ein Weniger an technischer Funktion muss mit einem Mehr an menschlichen Eingriffen kompensiert werden.

So können technische Objekte schlank gehalten und auf die wesentliche Kernfunktion reduziert werden. Dies ermöglicht eine hohe Reparierbarkeit und damit eine lange Lebensdauer der Produkte. Zudem werden durch das Funktionsverständnis der Nutzer*innen im Idealfall Falschanwendungen minimiert. Das Verstehen der Funktion und der Zusammenhänge ist notwendige Bedingung für einen bewussten Umgang mit Technik.

Ein Beispiel

Der schlanke, funktionale und einfache Aufbau hat eine weitere Bedeutung. Er lässt Handarbeit, Arbeitstiefe, regionale Herstellung und damit gute Arbeit in Hinsicht auf Zeit und Aufwand erst wieder vertretbar werden! Wie wollen wir arbeiten zwischen Handwerk und Automatisierung, zwischen Selbermachen und Spezialisierung ist hier die Frage…

weiterführende Infos