gute Arbeit

Thesen zum Thema Low- und High-Tech, Automatisierung und Handarbeit, Spezialisierung und Generalisierung, Digitalisierung und Effizienz, Fortschritt und Innovation – lose aufgelistet.

  1. Menschen haben ein Bedürfnis nach sinnvoller Arbeit. Geplanter Verschleiß und Wegwerfprodukte stehen diesem Bedürfnis entgegen. Stattdessen sind hochwertige, langlebige Produkte, die funktional (und ästhetisch) sind und dringenden Bedürfnissen entsprechen gefordert.
  2. Eine abwechslungsreiche, ganzheitliche und verantwortliche Tätigkeit mit Kopf, Hand und Herz fördert Menschen und lässt sie wachsen.
  3. Eine monotone, hoch spezialisierte, einseitige Tätigkeit schadet Menschen in der Regel.
  4. Wettbewerbsdruck drängt Menschen immer mehr in die Spezialisierung. Der Effizienzgewinn der übertriebenen Arbeitsteilung und einer zu weit getriebenen Spezialisierung wird durch die negativen Folgen ab einem gewissen Maß überkompensiert – langfristig und ganzheitlich betrachtet.
  5. Automatisierung und Motorisierung lässt handwerkliche und körperliche Arbeit verschwinden – ohne Wertung.
  6. Automatisierung und Motorisierung lässt auch anstrengende, mitunter gesundheitsschädliche Arbeiten, Schinderei unnötig werden und die Produktivität steigen. Der Mensch bekommt immer mächtigere Werkzeuge und Möglichkeiten.
  7. Automatisierung und Motorisierung verschlingen große Mengen an zusätzlicher Energie und Material in Produktion und Betrieb – sie ist dadurch oft ineffizienter als Handarbeit – insbesondere, wenn die Handarbeit des Menschen als sinnvolle körperliche Aktivität genutzt werden kann (also in vernünftigem, gesundheitsförderndem Maße). Auch bei der Nutzung von z.B. regenerativ erzeugtem Strom gilt diese Ineffizienz noch, da fruchtbarer Boden, seltene Erden, Dünger, etc. endlich bleiben.
  8. Auch Digitalisierung flackert nicht nur an Bildschirmen, sondern verbraucht Ressourcen in Herstellung und Betrieb – häufig unnötig.
  9. Hochtechnologie ist vielfach ein Segen. Auf das MRT-Bildgebungsverfahren in der Medizin, die Eisenbahn, Kunststoffe und vieles, vieles andere mehr wollen mit guten Gründen nur die Wenigsten verzichten.
  10. Rationelle Massenproduktion, ob mit oder ohne Handarbeit, ist sinnvoll, solange die Produkte nicht für den Müllhaufen produziert werden und die Arbeitsbedingungen in der Herstellung für die Menschen förderlich sind. Sie ist dann effizienter, als individuelle Einzelanfertigungen, was Energie und Material angeht.
  11. Die Technikentwicklung sollte nahe am Leben der Menschen passieren, weil dann die gefundenen Lösungen auch bedürfnisorientiert sind und nicht anderen, oft destruktiven Zielen (Profitmaximierung) entsprechen. Entsprechend sollten auch die Orte des Tüftelns und Erfindens wieder in das Leben zurückgeholt werden und Lernorte für den Austausch frei zugänglichen Wissens, verständlicher Technologie und Kreativität entstehen – Open Source und freie Lizenzen statt Patente.
  12. Low-Tech macht unabhängig von Spezialisten und Hierarchien – in Herstellung und Unterhalt (Reparierbarkeit).
  13. Autarke, dezentrale Technologie fördert die Resilienz von Menschen, Gemeinschaften und Gesellschaften.
  14. Das Verstehen der Funktion und der Zusammenhänge ist notwendige Bedingung für einen bewussten Umgang mit Technik.
  15. Aufgrund der verschachtelten und verschlossenen Bauweise der allermeisten Konsumartikel können wir nicht verstehen, wie die Dinge funktionieren und uns auch nicht selbst helfen, wenn die Technik einmal hakt. Und das Haken ist leider regelmäßig Programm im Kapitalismus – Stichwort geplanter Verschleiß.
  16. Als reine Anwender*innen verlieren wir wichtige Fertigkeiten für ein selbstbestimmtes, gutes Leben. In Zeiten von komplexen ökologischen und sozialen Herausforderungen brauchen wir neben Spezial- und Fachwissen vor allem auch den Blick für das Ganze und eine gewisse Bodenhaftung. Wir sollten den Bezug zu unserer eigenen Versorgung und Umwelt nicht weiter verlieren bzw. wiederfinden.
  17. Echter, nachhaltiger (sozialer und ökologischer) Fortschritt heißt nicht immer Automatisierung, High-Tech und Spezialisierung, sondern oft auch Handarbeit und Low-Tech – ein guter Mix aus High- und Low-Tech.
  18. Neue solidarische, lokale Produktionsformen sind nötig. Solidarische Produktion, solidarisches Handwerk in Anlehnung zur solidarischen Landwirtschaft und Peer-Economy sind mögliche Wege.
  19. Die oft unsichtbaren Qualitäten von Produkten aus diesen neuen Produktionsformen benötigen ein Qualitäts-Siegel, vergleichbar den Bio-Siegeln in der Landwirtschaft.
    Idee: „REGIONALWERK

Fragen

  1. Wie können die Produkte, die wir für ein gutes Leben brauchen, umweltverträglich und unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt werden?
  2. Wieviel Arbeitstiefe, wieviel Handarbeit, wieviel Generalisierung in der Arbeitswelt ist heute möglich und sinnvoll?
  3. Wo liegt das Optimum zwischen Handarbeit und Automatisierung unter den Prämissen Energie- und Materialeffizienz?
  4. Erscheint Handarbeit nicht als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme – auch wenn diese Arbeit dem Menschen möglicherweise förderlicher ist und weniger Ressourcen verschlingt (effizienter ist), als wenn sie völlig von Maschinen, Automaten und Robotern erledigt wird und der Mensch dieser Arbeit völlig entbunden ist?
  5. Gibt es vielleicht eine eigene Dynamik, wenn Fortschritt nicht mehr länger mit Energie-, Materialverschwendung und Allmachtsphantasien, sondern mit guter Arbeit, Resilienz, Nachhaltigkeit und menschlichem Maß verbunden wird?