gute Arbeit

Hier skizziere ich mal ganz frei mein Bedürfnis nach einer solidarischen Produktions- und Wirtschaftsform für zukunftsfähige Technik.

Ich nenne es Regionalwerk:

  1. regionale Produktion und Konsumption
  2. gute Arbeitsbedingungen
  3. ökologische Technik
  4. Open Source Baupläne

Was

Das Bedürfnis nach hochwertigen, ökologischen Produkten ist meiner Einschätzung nach groß. Viele Menschen suchen nach sinnvoller Arbeit und guten Arbeitsplätzen vor Ort.

Es liegt nahe beides in lokalen Wirtschaftskreisläufen zu verbinden. Soziale Bezüge werden gestärkt und unnötige Transportwege vermieden. Hochwertige Arbeitsmöglichkeiten versorgen Menschen in unmittelbarer Umgebung mit den technischen Produkten des täglichen Lebens.

Beispiele für solidarisches Wirtschaften gibt es in der Landwirtschaft. Solawis sind zu einer festen Größe geworden und es werden immer mehr.

Wie kann solidarisches Wirtschaften in Handwerk und Industrie aussehen und uns mit zukunftsfähigen Produkten versorgen?

Wie

Die Idee des Regionalwerkes basiert auf Open Source Konstruktionen und ist selbst ein Open Source Wirtschaftsmodell. So gibt es in dieser Utopie regionale Werkstätten und Produzent*innen, die ihre Ideen teilen und damit lokale Märkte mit hochwertigen und lokal angepassten Produkten versorgen. Das können Neugründungen sein oder bestehende Betriebe. Wichtig ist nur, dass der Open Source Gedanke Kern des Wirtschaftens bildet. Ein Netzwerk der Akteur*innen und eine gute Zugänglichkeit der Baupläne ist dafür wichtig.

Gute und sinnvolle Arbeit beinhaltet, nach meinem Verständnis, eine gewisse Arbeitstiefe und ganzheitliches Arbeiten mit Kopf, Hand und Herz. Lokale Produktion mit Handarbeit kann bezahlbar werden durch auf das Wesentliche reduzierte Technik. So glaube ich, dass Regionalwerk-Produkte nicht unbedingt teurer sein müssen als andere qualitativ hochwertige, aber tendenziell überladene Massen-Produkte. Denn das Weniger an unnötiger Funktion reduziert Herstellungsaufwand und Ressourcenverbrauch und macht gerade die nachgefragte zukunftsfähige Technik aus. Dabei soll Massenproduktion nicht verdammt werden. Harte, eintönige Arbeit dem Menschen abzunehmen ist ohne Zweifel anzustreben. Massenproduktion ist aber eben nicht immer und überall sinnvoll, wenn alle Aspekte mit eingedacht wurden.

Die sozial-ökologischen Qualitäten und Mehrwerte könnten durch ein Label sichtbar gemacht werden.

Die Krux dieser feinen Idee hängt an der bewussten Kaufentscheidung der Konsumentinnen oder Prosumenten und gleichzeitig liegt darin auch deren Chance…

Solatü!
Ein*e Solawi-Tüftler*in produziert, repariert und entwickelt gemeinschaftsgetragen Technik speziell für Solawis – vielleicht gleich für mehrere Gemeinschaften in einer Region. Das hieße den Solawi-Gedanken konsequent weiter denken.

Im Folgenden

…noch ein paar ungeordnete Gedanken zum Thema Low- und High-Tech, Automatisierung und Handarbeit, Spezialisierung und Generalisierung, Fortschritt und Innovation, Digitalisierung und Effizienz.

  1. Menschen haben ein Bedürfnis nach sinnvoller Arbeit. Geplanter Verschleiß und Wegwerfprodukte stehen diesem Bedürfnis meist entgegen. Stattdessen sind hochwertige, langlebige Produkte, die funktional (und ästhetisch) sind und dringenden Bedürfnissen entsprechen gefordert.
  2. Eine abwechslungsreiche, ganzheitliche und verantwortliche Tätigkeit mit Kopf, Hand und Herz fördert Menschen und lässt sie wachsen. Eine monotone, hoch spezialisierte, einseitige Tätigkeit schadet Menschen in der Regel.
  3. Überregionaler Wettbewerbsdruck drängt Menschen in die Spezialisierung. Der Effizienzgewinn der gesteigerten Arbeitsteilung und einer hohen Spezialisierung kann durch die negativen Folgen überkompensiert werden – langfristig und ganzheitlich betrachtet.
  4. Automatisierung lässt auch anstrengende, mitunter gesundheitsschädliche Arbeiten, Schinderei unnötig werden und die Produktivität steigen. Der Mensch bekommt gleichzeitig immer mächtigere Werkzeuge und Möglichkeiten.
  5. Automatisierung lässt handwerkliche und körperliche Arbeit verschwinden.
  6. Automatisierung verschlingt große Mengen an zusätzlicher Energie und Material in Produktion und Betrieb. Sie ist dadurch ineffizienter als Handarbeit, insbesondere, wenn die Handarbeit des Menschen als sinnvolle körperliche und geistige Aktivität genutzt werden kann – also in vernünftigem, zuträglichem Maß. Auch bei der Nutzung von z.B. regenerativ erzeugtem Strom gilt diese Ineffizienz der Automatisierung. Fruchtbarer Boden, seltene Erden, Dünger, etc. bleiben nämlich endlich.
  7. Digitalisierung flackert nicht nur auf Bildschirmen, sondern verbraucht Ressourcen in Herstellung und Betrieb – leider oft unnötig.
  8. Rationelle Massenproduktion, ob mit oder ohne Handarbeit, ist sinnvoll, solange die Produkte nicht für den Müllhaufen produziert werden und die Arbeitsbedingungen in der Herstellung für die Menschen förderlich sind. Sie ist dann effizienter, als individuelle Einzelanfertigungen, was Energie und Material angeht.
  9. Die Technikentwicklung sollte nahe am Leben der Menschen passieren, weil dann die gefundenen Lösungen auch bedürfnisorientiert sind und nicht anderen, oft destruktiven Zielen (Profitmaximierung) entsprechen.
  10. Entsprechend sollten auch die Orte des Tüftelns und Erfindens wieder in das Leben zurückgeholt werden und Lernorte für den Austausch frei zugänglichen Wissens, verständlicher Technologie und Kreativität entstehen. Open Source und freie Lizenzen statt Patente.
  11. Low-Tech macht unabhängig von Spezialisten und Hierarchien – in Herstellung und Unterhalt (Reparierbarkeit).
  12. Autarke, dezentrale Technologie fördert die Resilienz von Menschen, Gemeinschaften und Gesellschaften.
  13. Das Verstehen der Funktion und der Zusammenhänge ist notwendige Bedingung für einen bewussten Umgang mit Technik.
  14. Aufgrund der verschachtelten und verschlossenen Bauweise der allermeisten Konsumartikel können wir nicht verstehen, wie die Dinge funktionieren und uns auch nicht selbst helfen, wenn die Technik einmal hakt. Und das Haken ist regelmäßig Programm im Kapitalismus – Stichwort geplanter Verschleiß.
  15. Als reine Anwender*innen verlieren wir wichtige Fertigkeiten für ein selbstbestimmtes, gutes Leben. In Zeiten von komplexen ökologischen und sozialen Herausforderungen brauchen wir neben Spezial- und Fachwissen vor allem auch den Blick für das Ganze und eine gewisse Bodenhaftung. Wir sollten den Bezug zu unserer eigenen Versorgung und Umwelt wiederfinden.
  16. Echter, nachhaltiger (sozialer und ökologischer) „Fortschritt“ heißt nicht immer Automatisierung, High-Tech und Spezialisierung, sondern oft auch Handarbeit und Low-Tech
    –> ein Mix aus High- und Low-Tech.
  17. Neue solidarische, lokale Produktionsformen sind nötig. Solidarische Produktion, solidarisches Handwerk in Anlehnung zur solidarischen Landwirtschaft und Peer-Economy sind mögliche Wege.
  18. Die oft unsichtbaren Qualitäten von Produkten aus diesen neuen Produktionsformen benötigen ein Qualitäts-Siegel, vergleichbar den Bio-Siegeln in der Landwirtschaft.

Fragen

  • Wie können die Produkte, die wir für ein gutes Leben brauchen, umweltverträglich und unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt werden, sodass die Menschen davon leben können?
  • Wieviel Arbeitstiefe, wieviel Handarbeit, wieviel Generalisierung ist heute in der Arbeitswelt möglich und sinnvoll?
  • Wo liegt das Optimum zwischen Handarbeit und Automatisierung? Und zwar nur unter der Prämisse Energie- und Materialeffizienz betrachtet, denn da scheint mir eine Schieflage in der Wahrnehmung zu bestehen.
  • Erscheint Handarbeit nicht als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, auch wenn diese Arbeit dem Menschen möglicherweise förderlicher ist und vielleicht weniger Ressourcen verschlingt, als wenn sie völlig von Maschinen, Automaten und Robotern erledigt werden würde und der Mensch dieser Arbeit völlig entbunden wäre?
  • Gibt es vielleicht eine eigene Dynamik, wenn Fortschritt nicht mehr länger mit Energie-, Materialverschwendung und Allmachtsphantasien, sondern mit guter Arbeit, Resilienz, Nachhaltigkeit und menschlichem Maß verbunden werden würde?