Sense

Praxisforschung zum Thema Mähen mit der Sense

Hier gibt es einen Text mit den vorläufigen Ergebnissen (Arbeitsversion) zur Sensentheorie: Funktionsweise_und_Ergonomie_der_Sense20220706.pdf

Hier die Einleitung:
Die Sense ist ein konviviales Low-Tech Werkzeug, das im Kontext von Subsistenzwirtschaft, Selbstversorgung, Permakulturgärten, Agroforstkulturen, Hausgärten und Co eine sinnvolle Verwendung finden kann. Als Ersatz für motorbetriebene (Mulch-)Mäher wird die Sense hier hoffentlich eine Wiederentdeckung erfahren. Bei richtiger Ergonomie, Bedienung und scharfer Schneide ist sie unschlagbar energie- und resourceneffizient und von der Mähleistung für kleinere Flächen im Bereich bis ca. 0,10 ha / Mäheinsatz und Mensch völlig ausreichend. Im Bewegungsfluss kann mensch richtiggehend meditativ eintauchen, selbstwirksam mit „Natur“ in Resonanz kommen, z.B. beim Mähen einer artenreichen Streuobstwiese – zumindest wenn es ohne kommerziellen Verwertungsdruck betrieben werden kann.

Diesem Potenzial haben sich in den letzten Jahren zunehmend Einzelpersonen und Initiativen (Sensenvereine, Sensenkursanbieter*innen, etc.) verschrieben und bieten Kurse, Bücher und Material an. Mein Eindruck ist aber, dass es an einer tieferen theoretischen Durchdringung, Forschung und Weiterentwicklung der Kulturtechnik der Sense und deren Bauweisen fehlt. Es gibt, meines Wissens, kein Forschungsvorhaben, das sich mit der durchaus komplexen Funktionsweise, Ergonomie und Bewegungsdynamik des Mähens mit einer Sense auseinandergesetzt hat*¹. Die Sense scheint in ihrer Bauweise auf dem vorindustriellen Stand und den entsprechenden Materialen zu verharren. Auch wenn sich z.B. das Sensenblatt jahrhundertelang bewährt hat und ich hier auch wenig Verbesserungspotenzial sehe, ist die Situation beim Sensenstil eine andere. Hier vermute ich lohnende Potenziale in den Bereichen Ergonomie und Verstellbarkeit, da die früher möglichen Herstellungsweisen und Materialien bestimmte Formen nicht zuließen und die Sense damit in ihrem Potenzial limitierten.

Grundlage für eine „Sensenforschung“ ist ein tieferes Verständnis der Funktionsweise und Ergonomie der Sense. Ich versuche hier mit einer Bewegungsanalyse das komplexe, konzertierte Zusammenspiel der Mähbewegung(en) verständlicher zu machen. Nicht zuletzt ist dieses tiefere Verständnis sicher auch hilfreich für das Erlernen, Durchdringen und Verfeinern des Mähens mit einer Sense. Ebenso Grundlage für eine „Sensenforschung“ sind präzise Begrifflichkeiten. Diese wurden im Zweifel einfach neu geschaffen bzw. abgeleitet, möglichst schlüssig und verständlich hoffentlich. Mit Hilfe einer „Forschungssense“, die sich um alle relevanten Achsen und in allen Längen verstellen lässt, werden (hoffentlich bald) erste Praxiserfahrungen gesammelt werden, die in die Entwicklung von ergonomischen Sensenbauformen einfließen werden.

Für ein grundlegendes Verständnis der Funktionsweise und Ergonomie ist ferner die Kenntnis der Mähsituationen notwendig, da es nicht „die“ Mähbewegung gibt. Das Wechselspiel aus Topographie, Aufwuchs, Raumverhältnisse, etc. verlangt diverse Abwandlungen und Mähtechniken. Diese verschiedenen „Mähsituationen“ mit den entsprechenden dazugehörigen Mähtechniken wurden deswegen strukturiert und möglichst umfassend aufgelistet.

Der Aufsatz, der keine wissenschaftliche Arbeit im herkömmlichen Sinn darstellt, ist ein unfertiges Arbeitspapier, an dem weiter gewirkt werden wird und dessen Zwischenstand trotzdem geteilt werden soll. Die (unfertigen) Überlegungen sind vor allem aus den eigenen, unregelmäßigen Mäherfahrungen gespeist. Deswegen gibt es kein Quellenverzeichnis, sondern nur eine Sammlung an inspirierenden und weiterführenden Links. Der Text ist Open Source und darf frei geteilt, weiterentwickelt und verändert werden, siehe Lizenz in der Fußzeile. Ich freue mich über Rückmeldungen, konstruktive Kritik und Austausch!“

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*¹ Wobei ich mir hier, ehrlich gesagt, keine Mühe machte außerhalb von Google und Co zu recherchieren! Vielleicht gibt es dazu also bereits Abhandlungen, insbesondere außerhalb des deutschsprachigen Raumes…

 

Die Forschungssense, komplett, um alle Achsen und Längen verstellbare Sense für Testzwecke, Mai 2022

 

Die Einstellsense als eine in weiten Bereichen ergonomisch einstellbare Sense, für verschieden große und proportionierte Personen bzw. für Abwechslung in der Benutzung um Ermüdungen und Überlastungen vorzubeugen; Rechts- und Linkshänderinnentauglich (!); die Griffstützen (60° Schräge) können auch nach unten zeigen, falls zum Beispiel kleine Personen lange Mähradien nutzen wollen ohne den Blattwinkel (Längsachse) ungünstig zu beeinflussen;

Material: 25x25x2 mm Alu-Quadratrohr, 22×1 mm Stahlrohr für Griffstützen und Griffe; M8 Sechskantkopfschrauben für Klemmungen (13er Schlüssel)

 

 

 

Verstellbare Hammenaufnahme zum Anpassen des Anstellwinkels des Sensenblattes (ca. + 5° bis – 15°): Hammenaufnahme20220523.pdf

 

mobiler, zweiseitiger Dengelhocker mit Tiefen- und Höhenführung

  • einfacher Aufbau aus verschraubtem Kantholz und Sitzbrettern (M8er Schrauben)
  • relativ leicht und mobil
  • Platz für zwei Dengelambosse, z.B. Dengelamboss mit Pinne und Schlagdengler
  • verstellbares Tiefen- und Höhenführungsblech (links oder rechts montierbar)

 

verschiedene Prototypen beim Testmähen, Mai 2022